3. Sinfonisches Konzert
Im Zirkel des Seins
Jan Bulank (1931–2002)
Konzertante Suite
(Fassung für Kammerorchester, bearbeitet von Christa Abels) (1971)
Jan Paul Nagel (1934–1997)
Sinfonia V „Tři modlitwy – Drei Gebete“
(Fassung für Kammerorchester, bearbeitet von Lutz Lehmann) (1995–1997)
Karol Szymanowski (1882–1937)
Zwischenaktmusik aus der Oper „Kniaź Patiomkin“ op. 51 (1925)
Leoš Janáček (1854–1928)
Suite aus der Oper „Das schlaue Füchslein“
(arrangiert von Ian Farrington) (1922–1924)
Das Programm umkreist Gedanken zum menschlichen Miteinander. Gemeinsam ist den Werken sorbischer und slawischer Komponisten ihre Nähe zum Tanz, zur Bühne und Poesie. Im Konzert verdichten sich diese Geschichten im Klang der Instrumente, die in einer besonderen Intensität von den Freuden und Konflikten des Lebens erzählen.
Der Abend eröffnet mit der „Konzertanten Suite“ von Jan Bulank, die von den Eindrücken sorbischer Volkslieder und -tänze aus der Gegend um Schleife getragen wird. Das Finale der sechsteiligen Suite bildet die „Dwuskokowa“ („Zweisprung“), die Melodien des sorbischen Dudelsackspiels aufnimmt.
Jan Paul Nagel komponierte die Sinfonia V „Tři modlitwy – Drei Gebete“ ursprünglich für Orgel und Schlagwerk. Im Vergleich zur Orchesterfassung, die der tschechische Komponist Jan Jirásek nach dem Tod Jan Paul Nagels erstellte, bewegt sich die Bearbeitung von Lutz Lehmann, die eigens für die Sorbische Kammerphilharmonie in ihrer jetzigen Besetzung entstanden ist, wieder näher am Original. Das Werk liest sich als eine Anklage von Gewalt und Intoleranz. Die zeitlose Aktualität tritt durch ein altes sorbisches Klagelied und Motive aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in besonderer Weise hervor. Nicht zuletzt aus dem Kontrast von getragenen Melodien, markanten Dissonanzen, wiederkehrenden rhythmischen Mustern und scharfer Perkussion schöpft die Sinfonia V ihre Kraft.
Den Abschluss des ersten Konzertteils bildet Karol Szymanowskis hymnische und sinnliche Musik zum 5. Akt des gleichnamigen Dramas von Tadeusz Miciński. Das Werk für kleines Orchester und Chor lässt polnische Volksmusiken aus der Tatra, mit spätromantischem Kolorit und fernöstlicher Spiritualität verschmelzen.
Mit der Suite aus Leoš Janáčeks Oper „Das schlaue Füchslein“ werden die Gedanken über das Leben in eine Fabel mit fantastischer Musik übersetzt. Die auf einer Fortsetzungsnovelle entstandene Oper spiegelt das Leben in seiner Flüchtigkeit mit seinen unerfüllten Träumen und Erinnerungen, aber auch das Verhältnis zwischen Mann und Frau sowie Mensch und Natur wider. Es ist der beständige Kreislauf der Natur, der Trost spendet, als eine Kugel des Wilderers die Füchsin tödlich verwundet, die zuvor im Wald ihre Liebe und ihr Familienglück gefunden hat. „Ein heiteres Stück mit einem traurigen Ende“, schrieb Leoš Janáček an seine Freundin Kamila Stösslová.
