EXTREM hoch 4
Tanzperformance im Rahmen des Bauhausfestes in Dessau
Mit seiner einzigartigen klaren und funktionalen Formensprache bot das 1926 errichtete Prellerhaus den Studierenden am Dessauer Bauhaus Ateliers zum Wohnen und Arbeiten – eine Kombination, die damals neu war. Erst kurz zuvor war das Bauhaus aufgrund der politischen Entwicklungen von Weimar in die nordöstlich gelegene Kleinstadt an der Elbe umgezogen. In Dessau entfaltete sich die Bauhaus-Schule unter der Ägide von Walter Gropius zu einer Ikone der architektonischen Moderne.
Besonders markant ist die Ostfassade des historischen Atelierhauses mit den hervorspringenden Balkonen. Nach dem architektonischen Ballett Vertikal (2022) und der Tanzperformance Mekanic (2023) nutzt die deutsch-argentinische Choreografin Celia Millán die Fassade mit EXTREM hoch 4 bereits zum dritten Mal als eine Bühne. Gleichzeitig setzt die Tanzperformance die vielversprechende künstlerische Liaison mit dem Ballett des Sorbischen National-Ensembles fort, die mit dem Elektro-Tango-Ballett Appiazzolla aus Anlass des Bauhausfestes 2021 ihren Anfang nahm.
Die Tanzperformance sieht die Schöpfung des Dessauer Bauhauses als eine Geburt: äußerlich, die sich wandelnden Formen, aber auch innerlich – der Blick voller Illusionen und Fantasie in die Zukunft. Sind die Balkone vielleicht die Glieder eines Hauses? Was geschieht im Inneren, wenn dort eine Transformation stattfindet – ist sie schmerzhaft? Das Haus wird zum Protagonisten: sorbische Tänzerinnen und Tänzer interpretieren die Emotionen, die diese Verformung in sich trägt. Die Tanzperformance ist inspiriert vom „Glieder- und Illusionen-Tanz“ Oskar Schlemmers und wird jedoch auf das Bauhaus selbst übertragen.
Die Musik des argentinischen Komponisten Rodolfo Corbetta bezieht sich auf das Œuvre von Gerhart Muench. Sie wird das Werk des in Dresden geborenen Komponisten, der 1947 in die Vereinigten Staaten emigrierte und ab 1960 Mexiko zu seiner Wahlheimat machte, neu interpretieren und mit modernen, elektronischen Klängen verbinden. Die sorbischen Traditionen werden als musikalische Elemente eingeflochten. Der rhythmische Klang der Holzklappern wirkt wie eine Prozession und lädt dazu ein, sich der Bauhausfassade zu nähern – beinahe wie ein wiederkehrendes Ritual. Auf diese Weise wird der Ausdruck des Bauhauserbes verstärkt, sodass der Eindruck entsteht, das Bauhaus verwandle sich in eine Kathedrale der Architektur und Kunst.
IDEE Burghard Duhm
CHOREOGRAFIE UND KÜNSTLERISCHE LEITUNG Celia Millán
MUSIK Rodolfo Corbetta nach Gerhart Muench
TÄNZERINNEN UND TÄNZER Ballett des SNE unter der Leitung von Mia Facchinelli
TECHNISCHE LEITUNG, LICHT UND BÜHNE Martin Beeretz
