Sinfoniekonzert

Mit Werken von Čórlich, Immisch, Barber & Mozart

Anlässlich des 200. Geburtstages von Korla Awgust Kocor und des 150. Todestages seines Dichterfreundes Handrij Zejler hatte die Gesellschaft zur Förderung des Sorbischen National-Ensembles einen Kompositionswettbewerb “Kocor 2.0” ausgeschrieben. Ein Text von Zejler sollte vertont werden, Form und Genre waren für die Teilnehmenden frei wählbar. Unter ihnen befand sich auch ein leidenschaftlicher Musikstudent aus Wittichenau, der sich von dem Gedicht “Njesmjertnosć” (Unsterblichkeit) derart inspiriert fühlte, dass er einen Monat lang jeden Tag an einer Komposition für Sopran und Orchester arbeitete, die eine Fach-Jury verblüffte. “Njesmjertnosć” von Lukas Čórlich zeugt von einer “erstaunlichen kompositorischen Reife” und von einem sehr versierten und interessanten Umgang mit Klangfarben und Spieltechniken in der Orchestrierung. Die Uraufführung dieses Werkes mit der amerikanischen Sopranistin Erin McMahon vom Landestheater Salzburg ist somit der Höhepunkt des Sinfoniekonzerts des Orchesters des Sorbischen National-Ensembles.
Eröffnet wird das Konzert mit “3 Fragmenten” des Bautzener Komponisten Artur Immisch (1902-1949) in einer Bearbeitung  des jungen Hornisten des Orchesters, Lutz Lehmann. Artur Immisch, der als Zehnjähriger im Jahre 1912 mit seiner Familie nach Bautzen kam und dort seine musikalische Ausbildung fortsetzte und das Abitur ablegte, verfolgte danach ein konsequentes Doppelstudium in den Fächern Rechtswissenschaften und Musik in Jena, München und Leipzig. Eine juristische Tätigkeit hat er nie ausgeübt, ab 1928 widmete er sich ausschließlich der Musik. Er hatte als Konzertpianist einen außerordentlich guten Ruf, vor allem mit seinen intelligenten Interpretationen moderner Klaviermusik. Anfang der 1930-er Jahre wurde er in Dresden ansässig, wo er auch als Dozent an der Orchesterschule  der Sächsischen Staatskapelle und am Konservatorium arbeitete. Seine kritische Haltung zum Nationalsozialismus führte 1943 zur fristlosen Entlassung. Immisch kehrte in seine Heimatstadt Bautzen zurück, wo er 1949 starb. Sein musikalischer Nachlass, überwiegend ein beachtliches Liedschaffen und zahlreiche Kammermusikwerke, werden erst seit 1990 aufgearbeitet.
Ebenfalls im ersten Teil des spannenden Sinfoniekonzerts unter der Leitung von Peter WesenAuer wird Samuel Barbers (1910-1981) ursprünglich für Sopran, Streichquartett, Harfe, Flöte und Klarinette geschriebene Komposition “Knoxville: Summer of 1915” erklingen, die er nach einem lyrischen Prosatext von James Agee schuf. Samuel Barber gilt als der eigenwilligste Individualist der amerikanischen Musikszene. Und das blieb er, ein Leben lang, als Mensch und als Musiker, der sich keiner bestimmten Schule anschloss, sondern vor allem eines blieb: Barber. Er entwickelte im Laufe der Jahre eine ganz eigene Tonsprache, die hauptsächlich der Spätromantik verpflichtet ist mit Einflüssen vom Neoklassizismus und sanften Formen der Moderne. Die Solistin dieser zu den beliebtesten Werken Samuel Barbers zählenden Komposition wird wiederum Erin McMahon aus Salzburg sein.
Nach Salzburg führt die den vielfältigen Konzertabend beschließende, 1774 entstandene Serenade  D-Dur KV 203 (“Collorado” Serenade) von Wolfgang Amadeus Mozart. Hieronymus Franz Josef von Colloredo war im Jahre 1772 zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt worden und ernannte Mozart  zum besoldeten Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle. In Mozarts Divertimento- und Serenadenschaffen gipfelt die Entwicklung einer Reihe von Gattungen gehobener Unterhaltungsmusik des 18. Jahrhunderts, die ihren Ursprung in der barocken Suite hatten. Entgegen dem intimeren, für die „Kammer“ bestimmten Divertimento sind die Serenaden eher dem repräsentativen Anlass zugedacht - mehr einmaliges Ereignis denn Werk im modernen Sinne. Anders bei Mozart: In der Tatsache, dass fast alle seine Werke dieser Gattungen erhalten sind, spiegelt sich sein Qualitätsanspruch auch und gerade in der „Unterhaltungsmusik“.

BESETZUNG Orchester des Sorbischen National-Ensembles, Erin McMahon (Sopran), Hong-huei Lin (Violine)

MUSIKALISCHE LEITUNG Peter Wesenauer

 

 

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