Finanzielle Mittel der Initiative „KuBiMobil“ ausgeschöpft

offener Brief

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmer,
Sehr geehrte Frau Staatsministerin Klepsch,
Sehr geehrter Herr Staatsminister Piwarz,

der Besuch von Theatern, Museen, Bibliotheken und vielen weiteren Kultureinrichtungen ist ein grundlegender Baustein in der Bildung von Kindern und Jugendlichen. Durch ihn erhalten sie einen andersgearteten Zugang zu vielen relevanten Themen und Fragestellungen. Kultur kann den Blick öffnen und weiten. Die größte Herausforderung für den ländlichen Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien liegt dabei in der vermeintlich einfachen Fragestellung, wie wir den Kindern und Heranwachsenden den Zugang dazu ermöglichen und erleichtern können. Zunächst muss es also darum gehen, mittels eines entsprechenden Mobilitätskonzeptes diesen Zugang zu fördern und das in einem finanziellen Rahmen, der im besten Fall bei Eltern gar nicht erst die Frage aufkommen lässt, ob sie es sich überhaupt leisten können, dass ihre Kinder Kultureinrichtungen besuchen.

Die vom Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien vor 5 Jahren als Versuch einer Antwort auf diese Fragestellung ins Leben gerufene Initiative "KuBiMobil" hat auf imposante Weise gezeigt, wie ein solches Mobilitätskonzept dazu beitragen kann, dass dieser Zugang in der Fläche gelingen kann.
Mit Entsetzen haben wir davon Kenntnis genommen, dass die zur Verfügung gestellten Mittel für das laufende Jahr bereits ausgeschöpft sind und nicht damit zu rechnen ist, dass sich kurzfristig an dieser Situation etwas ändern könnte.

Neben der Tatsache, dass wieder einmal Kinder und Jugendliche die "bevorzugt" Leidtragenden der derzeitigen weltpolitischen Umstände sind, möchten wir Sie auch für die verheerenden Folgen für die Kulturinstitutionen unseres Kulturraumes sensibilisieren. Bereits gestaltete Spielpläne und vielerorts geplante Veranstaltungen werden unter diesen Bedingungen nicht mehr umsetzbar sein, da KiTa-Gruppen und Schulklassen ohne die finanzielle Unterstützung durch „KuBiMobil“ als Teilnehmende ausbleiben werden. Ganz zu schweigen von der ökonomischen Schieflage der bereits durch Corona nachhaltig geschädigten Kultur- und Bildungseinrichtungen. Doch es muss klar sein: Wo es heute keine Möglichkeiten für ein junges Publikum gibt, wird es morgen auch keine Kultur-Akteure mehr geben.

Uns ist bewusst, dass die derzeitige Lage von uns allen viel fordert und in den kommenden Jahren fordern wird. Dennoch bitten wir Sie inständig, sich im Interesse der künftigen Generationen und damit auch eines gewissen kulturellen und sozialen Niveaus für die Aufrechterhaltung bzw. finanzielle Stützung von "KuBiMobil" einzusetzen. Nicht in drei Monaten, sondern sofort, denn es "brennt"!

In einem nächsten Schritt sollten wir uns zudem gemeinsam mit allen Trägern und Verantwortlichen (Kultus, kulturelle Institutionen, Mobilitätsunternehmen und - verbände) auf ein breit getragenes, nachhaltiges Finanzkonzept zur Sicherung des Grundzuganges von Kindern und Jugendlichen zu Kunst und Kultur in den bisher per se benachteiligten ländlichen Kulturräumen Sachsens verständigen. Denn dabei handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, der sich nicht ausschließlich der Kulturraum allein widmen kann, sondern die alle Instanzen erkennen und wahrnehmen sollten. Wir sind uns sicher, dass es hierfür viele Ideen gibt, die wir gemeinsam beleuchten sollten.

Und zu guter Letzt: seit einigen Jahren werden die öffentlichen Debatten in der Lausitz zunehmend unter dem noch ominösen Begriff des "Strukturwandels" geführt. Auch wenn die Reise und das Ziel der Reise für große Teile der Bevölkerung noch nicht nachvollziehbar sind, sollte uns - als gestalterischen Kräften - insbesondere bewusst sein, dass eine möglicherweise künftig kulturell verarmte Region weder für ihre Bewohner noch für ihre Besucher attraktiv sein wird. Diese Verarmung nimmt ihren Beginn in der Vernachlässigung der breit aufgestellten Bildung der Jüngsten und pflanzt sich dann fort. Dies kann nicht in unserem Sinne sein.

Daher hoffen wir auf Ihre Unterstützung und eine konstruktive Zusammenarbeit, für eine starke und zukunftsfähige Kulturregion Lausitz.

Mit besten Grüßen aus der Lausitz

Tomas Kreibich-Nawka
Intendant des Sorbischen National-Ensembles Bautzen

 

Die Erstunterzeichner/-innen

Sarah Kinsky, Geschäftsführung Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH

Naturschutz-Tierpark Görlitz-Zgorzelec

Johannes Pilz, Museumspädagoge Lessing-Museum Kamenz

Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek

Lysann Lorenscheit, Leiterin der Natur- und Tourist-Information Erlichthof Rietschen

Tier- und Kulturpark Bischofswerda

Christina Bogusz, Direktorin Sorbisches Museum

Dr. Daniel Morgenroth, Intendant Gerhart Hauptmann Theater Görlitz-Zittau

Lutz Hillmann, Intendant Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

Dr. Agnieszka Gąsior, Direktorin Schlesisches Museum zu Görlitz

Jana Schmück, TanzART e.V.

Diana Wagner, Geschäfsführerin Sorbisches National-Ensemble

Michael Renner

Uwe Hänchen, Spielgemeinschaft Gojko Mitic e.V.

Dietmar Blume, Theaterscheune Neugersdorf

Katja Hieke, Leiterin Stadtbibliothek Ebersbach-Neugersdorf

Petition

zur Erhöhung der finanziellen Mittel für die Initiative "KuBiMobil"

www.change.org/p/erh%C3%B6hen-sie-die-finanziellen-mittel-f%C3%BCr-die-initiative-kubimobil